Der Vergessene

Aus dem Berg tritt Lenzo mit verlorenen Haaren,
schwacher Brust und blinden Augen aus.

Seine Furcht ist ein herrenloser hungriger Hund,
nur Kinder würden ihr flechtenreiches Kleid streicheln.
In den Maiglöckchen lassen seine knorrigen
nackten Füße Wunden fallen, die alle Blüten
in federlose Schwäne wandeln.

Im See singt der letzte Fisch seine Zunge weg,
die einst die Leere stillte. „Ob er noch ein Mädchen
zum heiraten finden wird“, fragt er den Grafen.
Der zeigt seine Pracht, mit üppigen Fingern
auf den Berg, der umdreht und sich selbst umarmt.
Eine Tanne kniet vor ihm, sucht ihr Herz
in der klaffenden Erde, in die nun auch Lenzo weiter welkt.

© Alessandra Mancinelli 11.09.2013

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