Wo ist Inna?

Wanja näht mich zu Stoff.
Grimm vollbringt das Kunststück
die Spitze durch Haut zu stoßen.

Der Atem hält die Zeit an.
Über den Rand hinweg
sticht ihr Blick
und mir wachsen Brücken
aus den Armen.

Inna liegt mir zu Füßen,
Inna Schweigekind.
Sie hat die Macht
den Mond zu tragen.
Unter ihm werden meine
Lippen flüssig.

Die Decke spricht mit mir.
Inna komm. Inna?
Wir verschwinden in der Wand.

© Alessandra Mancinelli 01.09.2013

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Der bleierne Vorhang

Wanja, an der Schwelle
wurdest Du schwarzweiß,
wie das Zimmer, wie ich.

Du stehst hinter dem Bild
und fütterst Grimm,
indem Du meine Haare bürstest.
Hundertmal.

Wanja, gib mir Deine Hand,
Deine Schuhe passen nicht.
Am Blumenfenster zähle ich
Knöpfe und rede mit Prinzen.

Wanja, bin ich schön?
Grimm ist nimmersatt.
Er reitet die Nacht, darin
stirbt mein Schwanenhals
tausendmal.

© Alessandra Mancinelli 02.09.2013